Mrz
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Vom Kuss der Musen

Aktuell, Autoren.Futter

… zum Blog der Mythenmaschine für Schreiben und Dramaturgie. Als Motto die Musenweihe des Archilochos’:


Es heißt, daß Archilochos, als er noch jung war, von seinem Vater Telesikles an einen Ort namens Leimones geschickt wurde, um eine Kuh in die Stadt zu treiben und sie zu verkaufen. Er stand noch in der Nacht auf, als der Mond schien, um sie zu holen; als er in die Nähe des Ortes Lissides kam, sah er eine Gruppe von Frauen, und da er annahm, daß sie auf dem Weg von der Feldarbeit in die Stadt waren, näherte er sich ihnen und begann, freche Lieder auf sie zu singen. Sie hörten ihm lachend und scherzend zu, und fragten ihn, ob er die Kuh auf den Markt trieb, um sie zu verkaufen. Archilochos nickte, und sie meinten, sie würden ihm einen guten Preis zahlen. Nach diesen Worten sah Archilochos plötzlich weder die Kuh mehr noch die Frauen, sondern nur noch eine Leier zu seinen Füßen … Er wußte zuerst nicht, was er davon halten sollte, aber dann begriff er, daß ihm die Musen erschienen waren und ihm das Instrument geschenkt hatten. Er hob es auf und kehrte nach Hause zurück, wo er alles seinem Vater erzählte. Telesikles, nachdem er die Geschichte gehört und die Lyra gesehen hatte, war über diese Erzählung ganz verwundert und ließ sofort auf der ganzen Insel nach der Kuh suchen, ohne daß sie jedoch gefunden worden wäre.
Raoul Schrott, Die Erfindung der Poesie, Eichborn Verlag.

Kommentare

  • Matthias
    Mrz 6, 2010

    Gestern Alice im Wunderland gesehen.
    Wir müssen in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus
    vorstoßen. Was erwartet uns dort?
    Ein harter Stuhl, ein harter Tisch. Harte Aufgaben.
    Aber zuerst eine Tasse Tee serviert vom Märzhasen,
    serviert vom Zen-Meister. Und der Hutmacher schneidet
    die Tasse durch. Du wolltest doch eine halbe Tasse?
    Werde zur wandelnden Konkordanz zur Bibel zum Koran
    zu Sein und Zeit und noch viel mehr.
    Bist dann bereit für die Königin. Bereit und herrlich. Un deux trois an der Stange. Aber vorher
    ein Glas Milch im Kung-Fu-Anzug. Kantonesisch!

    Schöne Grüße vom Schreibschüler Matthias

  • Sathayam
    Mrz 7, 2010

    Zum Mythos des Archilochos
    Schamanisch betrachtet, heißt das, dass man auch für die Geschenke der Spirits (inklusive Götter & Göttinnen) etwas bezahlen muss. Die Kuh war das, was er halt hatte und die haben die Göttinnen genommen. Wer nichts zu opfern bereit ist wird nicht wirklich von den Musen geküsst. Bürgerliche Sicherheit und künstlerisches Genie waren noch nie gute Bettgenossen. Deshalb : Welche Kuh sind wir bereit an die inspirierenden Musen herzugeben?
    Aloha-Sathayam

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